Zurück

Viel Lärm um die Winterstromlücke

Die Winterstromlücke ist aktuell sehr medienpräsent. Der Grund dafür ist vor allem der Verhandlungsabbruch mit der EU und das somit in weite Ferne gerückte Stromabkommen.
Die SVP will Laufzeitverlängerungen der AKW und auch wieder neue AKWs ins Gespräch bringen. Das ist unsinnig: Zum einen produzieren AKWs viel zu teuer (Wind, PV und Wasser sind wesentlich günstiger). Zum anderen dauert der Bau eines AKWs 20 bis 30 Jahre. Bis dann müssen wir die fehlenden kWh längst produziert haben. Und das Abfallproblem bleibt weiterhin ungelöst.

Gemäss einem BFE-Bericht besteht die Stromlücke vor allem von Mitte Februar bis April. Zu diesem Zeitpunkt sind die Stauseen weitgehend geleert, weil die Energieunternehmen dann Strom produzieren, wenn es am besten rentiert. Das ist im Dezember und Januar der Fall (wie auch im aktuellen Winter geschehen).

Im Oktober 2021 hat der Bund zwei Berichte zum Thema Sicherheit der Stromversorgung veröffentlicht. Sie untersuchten insbesondere, wie sich das Fehlen eines Stromabkommens mit der EU ab 2025 auf die Versorgungssicherheit auswirken wird. Der Bund kommt zum Schluss, dass im schlimmsten Fall (Ausfall mehrerer AKWs in Frankreich und in der Schweiz, fast leere Speicherseen) der inländische Strombedarf gegen Ende März für 47 Stunden nicht mehr gedeckt werden könnte. Dieser Fall dürfte sehr selten auftreten und wir haben in der Pandemie bewiesen, dass die Industrie und das gesellschaftliche Leben über kurze Zeit mit wesentlich weniger Stromverbrauch funktionieren können.

Aber selbstverständlich müssen wir rasch und konsequent handeln. Nebst dem Problem der Winterknappheit wird mit der Elektrifizierung der Mobilität und der Gebäude der Stromverbrauch um mindestens 20% steigen. Diese «Lücke» muss in erster Linie durch einen massiven Zubau der Erneuerbaren gedeckt werden. Jede zusätzliche PV-Anlage produziert auch im Winter mehr Strom. Die eidgenössischen Räte haben in der Herbstsession 2021 einer Initiative zugestimmt, die die Förderung der erneuerbaren Stromproduktion ab 2023 deutlich verstärkt. Jährlich 11 TWh zusätzlicher Strom entspricht der Produktion der AKWs Mühleberg, Beznau I und II.

Wichtige Entscheide stehen auch 2022 an. Das Energie- und das Stromversorgungsgesetz werden in den Räten behandelt. Eine neue Massnahme ist die Speicherreserve. Kraftwerksbetreiber werden dafür entschädigt, wenn sie nach Bedarf produzieren, also die Speicherseen erst im späten Winter leeren. Neu sollen PV-Anlagen einen Winterzuschlag erhalten, wenn sie mindestens einen Drittel des Stroms im Winterhalbjahr erzeugen. Davon profitieren z.B. alpine Anlagen (etwa an Staumauern) oder Fassadenanlagen. Im Weiteren stehen ein minimaler Rückliefertarif für PV-Anlagen und Erleichterungen beim Eigenverbrauch zur Diskussion. Der auf dem eigenen Dach produzierte Strom soll im ganzen Quartier oder Dorf kostengünstig vermarktet werden können. Wenn all diese Massnahmen die parlamentarischen Diskussionen und ein allfälliges Referendum überstehen, sind wir in der Energiewende einen rechten Schritt weiter.

Kurt Egger, Nationalrat GRÜNE, Mitglied UREK-N

 

Einen Kommentar schreiben